„Die AGH hat mir Struktur, Selbstvertrauen und eine neue Perspektive gegeben.“
Das Fahrradzentrum Wandsbek der einfal gGmbH ist ein Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekt, in dem Teilnehmende in der Fahrradmontage, im Service und in begleitenden Aufgaben wie Fahrertätigkeiten neue berufliche Perspektiven entwickeln können.
Bevor Rolf M. im Februar 2025 ins Fahrradzentrum Wandsbek kam, fehlte ihm oft die Struktur im Alltag. Nach zehn Jahren Selbstständigkeit als Maler (2005–2015) folgte eine lange Phase ohne feste Arbeit. Er wusste, dass sich etwas ändern musste – doch ohne festen Rahmen blieb es bei guten Vorsätzen.
Der Einstieg in die Arbeitsgelegenheit (AGH) wurde für ihn zum Wendepunkt: Endlich hatte er wieder einen geregelten Tagesablauf, klare Aufgaben – und Menschen, die ihn ernst nahmen, förderten und forderten. Unter Anleitung und mit sozialpädagogischer Begleitung lernte er, im Team professionell zu agieren – freundlich, respektvoll und gleichzeitig klar, wenn es darum ging, eigene Grenzen zu setzen.
„Das war früher nicht immer einfach für mich“, sagt er offen. Die Arbeit an den Fahrrädern macht ihm Freude – aber noch wichtiger ist, dass er wieder Verantwortung übernimmt und eigenständig Probleme löst.
„Die Arbeit im Team und an den Fahrrädern bringt mir richtig was: Ich entwickle Lösungen, repariere Dinge eigenständig und wachse dabei Schritt für Schritt. Es geht nicht nur ums Schrauben – es geht darum, wieder Verantwortung zu übernehmen und selbstwirksam zu handeln.“
Selbst Dinge, die er lange aufgeschoben hatte, packte er jetzt an: So reaktivierte er seinen Führerschein, den er seit Jahren ruhen ließ. Heute fährt er nicht nur wieder, sondern übernimmt zusätzlich Fahrertätigkeiten für das Projekt – ein weiterer Schritt in Richtung Selbstständigkeit.
„Ohne die AGH wäre ich nie wieder auf die Idee gekommen, so aktiv an meiner Zukunft zu arbeiten“, betont Rolf M.
Rolf M.s Weg zeigt, was auf dem Spiel steht:
- AGHs schaffen Struktur für Menschen, die lange ohne geregelten Arbeitsalltag waren.
- Sie bauen Selbstvertrauen auf durch realistische, praxisnahe Aufgaben.
- Sie entwickeln berufliche und soziale Kompetenzen, die ohne geschützten Rahmen kaum entstehen würden.
- Sie fördern Eigeninitiative, wie bei Rolf M. durch Führerschein-Reaktivierung und zusätzliche Fahrertätigkeiten.
Solche Entwicklungen passieren nicht durch bloße Vermittlungsversuche oder kurze Maßnahmen. Sie brauchen Zeit, qualifizierte Anleitung und Sozialpädagogik – und genau das leistet eine AGH.
Arbeitsgelegenheiten werden oft als letztes Auffangnetz gesehen. In Wirklichkeit sind sie ein Sprungbrett, das Menschen wie Rolf M. befähigt, aus einer Phase der Passivität in ein aktives, selbstbestimmtes Leben zu kommen.
Dabei bieten diese Projekte, wie das Fahrradzentrum Wandsbek, weit mehr: Sie stärken auch die soziale Infrastruktur und verbinden Menschen miteinander. Mit ihren Dienstleistungen und Produkten tragen sie maßgeblich dazu bei, die Lebenssituation von Menschen, die von Armut betroffen sind, nachhaltig zu verbessern.
Kürzungen oder der Wegfall solcher Angebote würden nicht nur weniger Chancen, weniger Teilhabe und weniger erfolgreiche Übergänge in Arbeit bedeuten, sondern auch eine Schwächung der sozialen Infrastruktur sowie eine Verschärfung der Armutsproblematik – mit direkten Folgen für das Miteinander in unseren Gemeinschaften.