Bernd Sch. - besser als jede Therapie

AGH als Schlüssel zur Teilhabe und neuen Perspektive – mit viel Geduld, Rückhalt und dem Wissen, dass Entwicklung Zeit braucht

Vom Rückzug zur vorsichtigen Rückkehr ins Berufsleben

Bernd Sch. hat in den vergangenen Jahren einen bemerkenswerten Weg zurück ins Leben begonnen – von einem Alltag geprägt durch Rückzug, Isolation und psychische Belastung hin zu mehr Stabilität, Verantwortung und beruflicher Teilhabe.

Drei Jahre lang war er Teil der Arbeitsgelegenheit (AGH) im Fahrradzentrum Wandsbek. Diese Zeit war für ihn weit mehr als nur ein Job. Sie war Halt – in einer langen Phase, in der kaum etwas möglich schien.

Bernd litt über viele Jahre an schweren Depressionen. Schon in der Schulzeit fühlte er sich oft ausgegrenzt, suchte Anschluss als Klassenclown – blieb aber innerlich allein. Gesundheitliche Krisen begleiteten ihn lange, von außen kaum sichtbar, doch mit tiefen Spuren. Der Rückzug wurde zum Alltag, die Perspektiven schienen verloren.

In Wandsbek änderte sich das. Dort fand er nicht nur strukturierte Arbeit, sondern vor allem: ein Team, das ihn nicht aufgab. Kolleg:innen, die Vertrauen schenkten. Eine Umgebung, in der er vorsichtig begann, wieder an sich zu glauben – auch wenn das bis heute kein einfacher Weg ist.
Obwohl seine Ausbildung zum Fahrradmechaniker lange zurücklag, durfte er Verantwortung übernehmen – fachlich und menschlich.

Die AGH war für ihn ein Ort, an dem er erleben konnte: Ich werde gebraucht. Ich bin ein Teil davon. Diese Erfahrung war für Bernd von unschätzbarem Wert – ein stabilisierendes Element in einer unsicheren Zeit.

Zum 1. Juni 2025 folgte ein großer Schritt: Bernd hat einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsvertrag bei der Fahrradstation Dammtor / Rotherbaum (einfal gGmbH) unterschrieben. Dort berät er Kund:innen, führt Reparaturen durch und arbeitet sich in das digitale Warenwirtschaftssystem ein. In der Selbsthilfewerkstatt ist er Ansprechpartner für Studierende.

Doch dieser Schritt war und ist kein Abschluss – sondern Teil eines andauernden Weges.
Bernd selbst sagt:

„Ja, die Zeit in Wandsbek hat mir sehr gut getan, ich bin dankbar dafür. Aber jeder Tag ist nach wie vor ein innerer Kampf. Die neue Arbeit macht mir auch Angst. Ich bin unsicher, voller Selbstzweifel. Ich hoffe, dass ich dort ankomme – aber es wird Zeit brauchen.“

Diese Offenheit zeigt: Entwicklung ist kein gerader Weg. Sie ist mit Rückschritten verbunden, mit Zweifeln, mit Erschöpfung. Und trotzdem: Sie ist möglich – wenn der Rahmen stimmt und Menschen einem mit Geduld und Vertrauen begegnen.

„Die AGH war besser als jede Therapie – und ich habe viele gemacht.“

Bernds Geschichte ist keine einfache Erfolgsgeschichte. Aber sie ist eine echte. Eine, die zeigt, wie viel Kraft es kostet, sich trotz innerer Erschöpfung immer wieder auf den nächsten Schritt einzulassen.

Und sie erinnert uns daran: Es braucht nicht nur Hoffnung – sondern Menschen, die auch dann an einen glauben, wenn man selbst es kaum kann.

Wer wirklich unterstützt wird, verweigert nicht – sondern wächst.

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